
Hallo liebe Unterstützer*innen, Nachbar*innen und Freund*innen des
Wohnprojekts Vielsam,
wer von euch kennt die Nachbar*innen? Wer ist mit ihnen befreundet? Wer sagt: Wir leben in echter Gemeinschaft? Wir helfen uns, leihen uns Kram und bereichern unsere Leben.
Ich selbst beschäftige mich erst seit kurzem intensiv mit der Frage: Wie möchte ich zukünftig wohnen und vor allem leben? Zuerst fällt mir ein: Mit meinen Lieblingsmenschen. Aber auch mit den Menschen in meiner Straße, meinem Viertel. Und hier beginnt Stadtteilarbeit, wie Thomas auf unserer Homepage schrieb: „Low Key…aber wunderschön.“ Was wir uns für das Haus Vielsam vorstellen: Ulf kann handwerklich fast alles und möchte eine offene Werkstatt anbieten, mit Werkzeug! Ina ist DJ und hat Bock auf Beats. Anja ist unsere kreative Bastelmaus, Thomas und ich Pädagog*innen…wir alle können etwas! Warum nicht an einem Samstagmorgen die Kids aus der Nachbar*innenschaft einladen? Dana ist unsere Hoop Fairy, liebt Performance Art. Galika organisiert Diskussionsabende, Kevin kann wahrscheinlich jeden IT Support leisten. Und das ist nur der kleine Anfang in unserer Welt.
Wenn Beteiligung wirkt: Nachhaltige Stadtentwicklung
Denken wir kurz größer und etwas theoretisch: Monika Alisch beschreibt auf stadtteilarbeit.de, dass soziale Stadtentwicklung in Deutschland „vor allem quartiersbezogen, integriert und partizipativ gedacht ist. Ziel ist nicht bloß die Verschönerung von Häusern, sondern soziale Integration, bessere Lebensbedingungen und echte Mitbestimmung der Bewohner*innen.“1
In Altenbochum gibt es wunderbare Beispiele für Quartiersarbeit, die durch nachbarschaftliche Initiativen entstanden sind: Der Alsengarten2, der als beliebter Treffpunkt gilt. Die Stadtteilfreunde3, die Spaziergänge und Veranstaltungen organisieren. Der Altenbochumer Treff4, der sich um Senior*innen kümmert. (Ich entschuldige mich bei allen anderen, die nicht erwähnt wurden, ihr seid wunderbar.)
Die Forschung weiß aber auch: Bürokratie, starre Verwaltungsstrukturen und befristete Fördermittel können die Wirkung bremsen. Symbolische Beteiligung reicht nicht, echte Veränderung braucht Langfristigkeit, flexible Strukturen und Mitsprache. In Bochum zeigt sich genau das: Wer Quartiere ernst nimmt, clever kombiniert und die Menschen vor Ort einbindet, erzielt nachhaltige Effekte, sichtbar im Stadtbild und spürbar im Alltag der Bürger*innen.

Was Nachbarschaft ausmacht: Taten mit Herz und Wirkung
Weil das Thema groß und komplex ist, frage ich mich: Was kann den Alltag spürbar verbessern? Muss ich dafür nen Förderantrag schreiben? Ich glaube nicht…Aber der Alltag verbessert sich: Wenn ich weiß, dass jemand kurz auf mein Kind aufpasst. Wenn mein Nachbar mir ein Regal an die Wand schraubt. Wenn ich mir Zucker leihen kann oder einen Staubsauger, weil meiner kaputt ist. Oder wenn ich weiß: Nebenan wohnt jemand, dem ich mich bei Sorgen anvertrauen kann.
Und hier kommt Vielsam ins Spiel. Wir glauben daran, dass Nachbar*innenschaft nicht nur durch große Projekte, sondern vor allem durch kleine Aktionen wächst, die Art von Dingen, die man nicht sofort in Statistiken oder Fördermittelreports sieht, aber die den Puls eines Viertels wirklich spürbar machen.
Diese Aktionen sind kein großes Remmidemmi, kein pompöses Event, sondern das, was die Seele eines Quartiers zusammenhält. Das ist eine Bank, auf der Menschen miteinander reden können. Ein Nachmittag mit Kaffee und Kuchen. Hilfe bei Bürokratie, die besonders Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben, vor enorme Herausforderungen stellt. Genau so entstehen Netzwerke, Vertrauen und das gute Gefühl: „Ich kenne meine Nachbar*innen, wir passen aufeinander auf.“
Menschen verbinden und Beziehungen bauen
Ich erklärte meiner Internationalen Klasse die Idee unseres Wohnprojekts. Meine Schülerin Victoire aus dem Kongo fragte: „Aber warum sollte Ulf mir etwas reparieren ohne Geld?“ Ich sagte: „Victoire, du kannst wahnsinnig gut Haare flechten. Das kann Ulf nicht.“ Sie lächelte und sagte: „Achso…einander helfen.“ Ja, einfach einander helfen!
Für uns bei Vielsam heißt Stadtteilarbeit also konkret: Wir renovieren nicht direkt ein Gebäude, wir bauen Beziehungen. Wir bringen Menschen zusammen, wir schaffen Räume für Begegnung und kleine Erfolge, die die Menschen sichtbar motivieren. Gleichzeitig lernen wir aus wissenschaftlichen Erkenntnissen: Quartiersarbeit braucht Planung, Integration, Beteiligung und nachhaltige Strukturen – und das alles kann mit Humor, Kreativität und Ressourcen wie Zeit und Bock umgesetzt werden.
Wenn Bochum es schafft, aus grauen Ecken lebendige Quartiere zu machen, dann können wir das erst recht in unserem Wohnprojekt: Süße Begegnungen und charmante Momente schaffen eine lebendige, vielsame Gemeinschaft. Und wenn wir die Profis für größere Ideen brauchen, wissen wir, an wen wir uns wenden können.
Liebe Vielsam-Freund*innen: Lasst uns zusammen den Zauber unserer Nachbar*innenschaften entdecken, Beteiligung leben und dafür sorgen, dass unser Viertel nicht nur schön aussieht, sondern richtig gut tut. Und das fängt damit an:
Seid lieb zueinander!
Vera Recktenwald
Für das Haus Vielsam
Bochum 2025
Wohnprojekt Vielsam - Vielsam statt Einsam.
Bochum 2025