
Hallo liebe Unterstützer*innen, Nachbar*innen und Freund*innen des
Wohnprojekts Vielsam,
wie angekündigt widme ich mich heute der großen Frage
Was ist eigentlich dieses Mietshäuser Syndikat?
Syndikat klingt gefährlich, ein bisschen verboten…aber keine Sorge, denn: In den letzten Newslettern habt ihr schon gelesen: Unser Wohnprojekt funktioniert, weil wir nicht alleine sind. Wir haben einen ziemlich starken Partner an unserer Seite – das Mietshäuser Syndikat. Und ich gebe zu: Es klang für mcih erst ominös, aber heute weiß ich: Es ist eine kluge Art, gegen steigende Mietpreise zu rebellieren.
Das Mietshäuser Syndikat – kurz MHS – ist ein deutschlandweites Netzwerk von mittlerweile über 200 selbstorganisierten Wohnprojekten. Es wurde gegründet, um etwas zu tun, das eigentlich nach Utopie klingt, aber juristisch konsequent durchdacht ist: Wohnraum dauerhaft dem Immobilienmarkt entziehen. Also: Häuser kaufen – und dann nie wieder verkaufen. Nie wieder ein Spekulationsobjekt sondern: Ein Lebensraum für Gemeinsamkeit, selbstbestimmt Verwaltung und das Weitergeben. Für Generationen.
Wie funktioniert das?
Wenn ein Projekt wie unseres ein Haus kauft, wird zuerst ein Verein (Hausverein “Vielsam)” und anschließend eine eigene GmbH gegründet. Klingt trocken, ist aber der Ausgangspunkt. Diese GmbH gehört genau zwei Gesellschafter*innen: erstens uns, der Hausgemeinschaft. Und zweitens dem Mietshäuser Syndikat selbst. Beide haben genau eine Stimme. Was heißt das? Wir entscheiden alles rund ums Haus selbst – von der Wandfarbe bis zum Waschplan – aber wenn wir das Haus jemals verkaufen wollten (Spoiler: wollen wir nicht), dann wird das Syndikat von seinem Vetorecht Gebrauch machen. Dasselbe gilt, wenn wir die Satzung ändern wollen. Ansonsten mischt sich das Syndikat nicht ein.
Wem gehört das Haus dann?
Formal gehört es der Projekt-GmbH. Aber weil das Syndikat in der GmbH mit drin sitzt, können wir das Haus nicht einfach so verscherbeln. Wir haben damit ein Nutzungsrecht auf ewig, aber keinen Verwertungsanspruch. Das ist der Unterschied zu klassischem Eigentum: Wir verwalten das Haus, wir bewohnen es, wir kümmern uns – aber wir können kein Kapital draus schlagen. Unserer GmbH gehören 51 % des Hauses, also genug, um selbstständig entscheiden zu dürfen, aber zu wenig, um das Haus zu verkaufen.

Warum machen wir das?
Weil wir glauben, dass Wohnen kein Luxusgut sein darf. Weil wir nicht zuschauen wollen, wie Städte zerfallen in hippe Eigentumslofts und überteuerte Mietruinen. Weil wir mit dem Haus Vielsam zeigen wollen: Es geht auch anders. Und weil wir mit dem Mietshäuser Syndikat ein Instrument gefunden haben, das unsere Werte schützt – nicht nur für jetzt, sondern für die nächsten 50 Jahre. Mindestens.
Und ist das rechtlich sicher?
Ja. Das Ganze ist bis ins Detail durchdacht:
Kurz: Unser Wohnprojekt ist kein idealistischer Traum, sondern eine ordnungsgemäß gegründete GmbH mit Zweckbindung zur gemeinwohlorientierten Wohnraumnutzung – durchgeplant, durchgerechnet und natürlich haben wir die Satzung auch per Fax verschickt.
Und was bringt uns das noch?
Ganz einfach: Sicherheit. Für uns. Für euch. Für alle, die nach uns kommen. Niemand kann mit diesem Haus spekulieren. Niemand kann es auspressen wie ein Vermieter die Altbauwohnung. Es bleibt gemeinwohlorientiert, fair, solidarisch – für immer.
Das MHS-Modell sorgt außerdem dafür, dass junge Projekte Unterstützung bekommen: Know-how, Netzwerke, Beratung bei Finanzierungsfragen, Hilfe in Krisenzeiten. Wir sind also nicht allein – sondern Teil einer größeren Bewegung.
Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt: www.syndikat.org
Seid lieb zueinander!
Vera Recktenwald
für das Haus Vielsam
Danke, dass Du uns begleitest.
Bleib neugierig – und bis zur nächsten Ausgabe!
❤️ Vera Recktenwald
Bochum 2025
Wohnprojekt Vielsam - Vielsam statt Einsam.
Bochum 2025